SEMESTERSTART


this year galerie / 2005-06 / wod 1-4 ``Tonmodelle``
Liebe StädtebauerInnen,
willkommen zurück - zu einem natürlich unglaublich aufregenden
Städtebau-Semester.
Die Aufregung beginnt bereits übermorgen, Donnerstag, 20.4.2006, um
10 Uhr, im Stadtverordnetensaal der Stadt Darmstadt im Justus-Liebig-
Haus, Große Bachgasse 2, ÖPNV-Haltestelle Holzstraße, gleich
angrenzend an die Altstadt im Osten des Cityrings. Dort werden wir
den Semsterablauf vorstellen, dort wird ein Vertreter des
Stadtplanungsamtes sein, dort werden wir ein wenig thematisch über
Eure Aufgabe diskutieren.
Gleich im Anschluss daran machen sich die Betreuergruppen auf zu
einer Erkundung ihres Stadtgebietes, bevor sich dann am Nachmittag in
der Hochschule die Arbeitsgruppen und die thematischen Ausschüsse
konstituieren.
Donnerstag, Freitag und große Teile des Samstags sind also, wie
angekündigt, ein zusammenhängender Startworkshop, bei dem Ihr
unbedingt auch zusammenhängend anwesend sein müsst.
Bis übermorgen!
Viele Grüße
Euer Martin
20.04-22.04.2006 - ganztags 9:00-18:00 Anwesenheitspflicht!
Darmstadt Deine Ausfallstraßen
Stadtmitte, Stadtteil und Magistralen
Unterstufenprojekt Sommersemester 2006
Vorgeschichte und Ziele
Gegenstand des 2. Semesters des reformierten Unterstufenprojekts ist die “Umplanung” einer ganzen Stadt und die Entdeckung von Potentialen und Defiziten im urbanen Kontext.
Im Jahr 2005 war dies Offenbach, dieses Jahr steht Darmstadt im Mittelpunkt unseres In-teresses. Seine Faszination bekommt dieser Ansatz dadurch, dass in dem Moment, in dem ca. 150 Studierende gleichzeitig arbeiten, tatsächlich für eine ganze Stadt koordinierte Entwicklungsperspektiven entstehen. Daher begründet sich auch das Interesse der Stadtplanungsämter an unserem Projekt und seinen Ergebnissen.
Zwei wichtige didaktische Ziele für praktisches städtebauliches Arbeiten verfolgt das Projekt: Zum einen sollen die Studierenden lernen, aus der Beobachtung und Bewertung von Stadträumen Aufgaben selber zu entwickeln, zum anderen werden sie angehalten, sich mit ihren Nachbarn zu koordinieren und in inhaltlichen Ausschüssen übergreifende Themen abzustimmen und weiterzuentwickeln.
Die Wahl fiel auf Darmstadt auf Anregung des Leiters des Stadtplanungsamtes, Herrn Kissel, der das Projekt im Zusammenhang sieht mit den Bemühungen der Stadt um einen Rahmenplan für Darmstadts Innenstadt. Spätestens bei der Betrachtung des die Innenstadt einschnürenden Cityrings wird dabei die enge Abhängigkeit des Innenstadtraumes von den Ausfallstraßen und den sei begleitenden Stadtquartieren klar. Das Unterstufenprojekt nimmt sich deshalb dieser Ausfallstraßen, der Untersuchung ihrer Probleme und Chancen sowie der Gestaltungsmöglichkeiten für die angrenzenden Stadtbereiche, die sich entlang der “Magistralen” aufreihen und sich mehr oder weniger gut in den Strassenraum hinein abbilden an.
Ziel ist es, die “Nicht-Räume”, die “Problemzonen”, Transitzonen oder transitorischen Räume Darmstadts, die Ausfallstraßen, als Besonderheit der Stadt als entscheidende Herausforderung anzunehmen, und über eine Qualifizierung und Charakterisierung sowohl der Straßenräume selber als auch der angrenzenden Nachbarschaften eine besondere Entwicklungsperspektive und Entwicklungschance für Darmstadt aufzuzeigen.
Aufgabe und Ablauf
Jeder Betreuergruppe mit jeweils vier Studierendengruppen (16-20 Personen) ist eine “Magistrale” mit ihren Nachbarschaften im Verlauf von der Stadtmitte bis zur Stadtgrenze zugeordnet. In den Betreuergruppen werden wir die Eigenarten der jeweiligen Ausfallstraße und der angrenzenden Quartiere gemeinsam erarbeiten, in den Studierendengruppen werden wir dann attraktive und herausfordernde Entwurfsgebiete identifizieren. Diese Entwurfsgebiete können räumlich sein, also ein Block, eine Nachbarschaft, ein Gebiet, sie können aber auch thematisch sein, also die Gestaltung der Raumkanten, der Grünräume, der Verkehrsräume, der Wohnnachbarschaften, ihrer Plätze, Infrastrukturbauten, ihrer Baustruktur, ihrer Freiräume etc.
Aus jeder Studierendengruppe nimmt jeweils ein/e Student/in als Abgeordnete an einem der 4 thematischen Ausschüsse regelmäßig teil. Diese Ausschüsse erarbeiten über das Semester koordinierende Leitlinien für alle Studierenden in den Projekten. Die Ausschüsse befassen sich mit
1 Verkehr,
2 Grünraum,
3 Baustruktur und Wohnen und dem Thema
4 Soziales/Öffentliche Einrichtungen.
Insgesamt sieben Arbeitsergebnisse werden für jede Studierendengruppe am Ende des Semesters stehen:
1 Anteil am Bestandsmodell 1/2000 der gesamten Stadt Darmstadt
2 Einsatzmodell jeder Gruppe 1/2000 eines bearbeiteten Teilgebietes
3 Plan 1/2000 des bearbeiteten Teilgebietes ( nicht 1/1000 ???)
4 Modell 1/500 eines Ausschnittes des bearbeiteten Teilgebietes
5 Pläne 1/500 eines Ausschnittes des bearbeiteten Teilgebietes
6 Räumliche Darstellung in Skizzen, Rederings, Fotos des Entwurfes
Konzepttext
Daneben werden die Ausschüsse Gesamtkonzepte für die Stadt als Pläne im Maßstab 1/1000 u.U. mit Vertiefungen sowie Erläuterungstexte erarbeiten.
Das Semester ist in drei Hauptteile gegliedert:
A / Workshop 20.4 - 22.4.2006 mit Anwesenheitspflicht:
Hier werden nach einer Auftaktveranstaltung (20.4.2006 am Vormittag ab 10 Uhr) im Stadtverordnetensaal (Liebighaus) der Stadt ab 12:00 vor Ort und mit Betreuer die Be-treuergruppen die Stadtgebiete und die Themen der Stadtgebiete analysieren. Im Verlauf des Workshops werden die Studierenden ihre Analysen in Karten, Modelle (alle Gruppen zusammen werden ein Gesamtmodell Darmstadts erstellen) und Texte umsetzen, unterstützt durch die Arbeit und die Erkenntnisse der Ausschüsse. Ziel für die Studierenden ist, im Kontext der Gebietsanalyse, der Ausschussarbeit sowie des Kontaktes mit den Nachbargruppen ihre Entwurfsgebiete und -aufgaben festzulegen. Die Ausschüsse konstituieren sich am 21.4.2006 ab 11:00 im Arbeitssaal Ost und werden unter Anleitung die Arbeit aufnehmen.
B / Wöchentliches Arbeiten und Treffen während des Semesters (jeden Donnerstag wie gewohnt):
Hier erarbeiten die Studierendengruppen in Alternativen und Varianten und mit allen von Städtebauern verwendeten Arbeitsmitteln Vorschläge für ihre Entwurfsgebiete, hier arbeiten die Ausschüsse an den (Quartiers-) übergreifenden Plänen für die Stadt. Diese Phase hat eine Zwischenpräsentation und wird abgeschlossen durch die Endpräsentation der Ergebnisse.
C Vertiefungsworkshop (6.07-8.07.2006) “Konversion und Wohnen” zu und auf einer interessanten Situation in Darmstadt mit Anwesenheitspflicht: Während des Semesters werden die Betreuer in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt einen besonders interessanten Ort der Stadt identifizieren, an dem dann zu Beginn der Semesterferien als “Prüfung” ein 3-tägiger und intensiv betreuter 2. Workshop zum Thema der Konversionsflächen der Stadt und den Möglichkeiten für innerstädtisches ``und interessantes`` Wohnen dort stattfinden wird.
Diskussionsansatz zum Thema und Aufgabenstellung – und Aussichten:
Stadtmitte, Stadtteil, Magistrale
Verkehrsraum und Stadtraum
Die ungehinderte Ausbreitung des motorisierten Individualverkehrs hat innerhalb der geschlossenen Stadtgebiete drei neue städtische Räume geschaffen: Einmal den “Ring”, zum zweiten die innerstädtische Schnellstraße, und, als Reaktion, zum dritten die Fussgängerzone. Besonders in kleinen und mittleren Städten wie Darmstadt prägen diese Räume das Stadtbild und stehen oftmals in krasser Konkurrenz zu einem gewissen Bild der Gemütlichkeit und Ruhe, das für viele BürgerInnen in diesen ``Nicht-Großstädten`` mitschwingt. Dabei hat der Darmstädter Cityring zwar nicht die gleiche Länge, aber genau so viele Fahrspuren wie der Münchner Mittlere Ring oder die Berliner Straße in Frankfurt, natürlich sind überall die Fahrspuren gleich breit und die Hindernisse zur Überquerung gleich groß. Ähnliches gilt für die Fussgängerzonen: Damit sich ein “Shoppingerlebnis” einstellt müssen sie eine gewisse Fläche haben, auch hier sind die Flächenunterschiede der Darmstädter Innenstadt im Verhältnis zur Münchner Kaufinger Straße und zur Frankfurter Zeil nicht proportional zur Stadtgröße. Allein geometrisch nehmen also die Verkehrsbauwerke und die Reaktionen darauf in Städten wie Darmstadt einen größeren Raum ein. Ihre Qualifizierung sowie die Herstellung eines qualifizierten Bezuges zwischen Verkehrsraum und Stadt stellen also besonders für Städte wie Darmstadt eine entscheidende Aufgabe dar.
Es ist dabei sicher zu kurz gedacht, alle diese Verkehrsräume beruhigen zu wollen. Sie sind und bleiben unumgänglicher Bestandteil zeitgenössischer Städte.
A Ausfallstraßen
Als Ausfallstraßen haben die Verkehrsräume in der Regel eine lange Geschichte als über-örtliche Verbindungsstraßen, wie sich aus den Namen lesen lässt (Heidelberger Straße, Bessunger Straße, Frankfurter Straße etc.). Einige der faszinierendsten städtischen Räume sind extrem stark befahrene Straßen: die Champs Elysees in Paris, die Diagonal in Barcelona, Broadway in New York, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Aus diesen “großen Straßen”, aber auch aus den vielen kleineren “großen Straßen” (z.B. Schweizer Straße in Frankfurt) lässt sich also viel lernen über mögliche Gestaltungen zu erfolgreichen, “brummenden” Stadträumen und über den Bezug der angrenzenden Stadtquartiere zu dem Faszinosum “Magistrale”. Und bestimmt lässt sich viel von dem Gelernten übertragen auf Darmstadt, denn hier finden sich in dieser Richtung leider wenig gute Beispiele. Oder gibt es Magistralen überhaupt nur in Berlin und Hamburg, Leipzig oder Halle-Neustadt, aber nicht in Darmstadt?
Es wird also in diesem Semester um Themen gehen wie Übergänge und Quartierseingänge, um das Straßenprofil, um geeignete Baustrukturen, städtische Räume, um den Einsatz von Bäumen und Grünelementen, um den Umgang mit Fahrzeugen rollend und ruhend, um den Erdgeschossbezug zwischen Bebauung und Straße, generell um “Charaktere” städtischer Räume, um “Stadtraumpersönlichkeiten”.
B Ringstraßen
Die Lage, Größe und Anlage der Ringstraßen ist zum einen bestimmt durch die Morphologie einer Stadt, durch ihre Besiedelungsgeschichte, und, in Deutschland, durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs. Es gibt Ringe, die durch dichte Besiedlung laufen, damit natürlich Probleme schaffen, es gibt andere, die vollkommen unproblematisch durch Industrieanlagen oder unbesiedeltes Gebiet führen. Zum anderen aber sind Ringstraßen der innerstädtische Spiegel der Vernetzung einer Stadt mit ihrem Umland: Wie liegt die Stadt zwischen anderen Zentren, wird sie vom Verkehr allseitig umspült? Wie stark ist die Vernetzung einer Stadt mit dem sie umgebenden Verdichtungsbereich, der “Agglomeration”, wie es die Schweizer treffend beschreiben? Wie ist der ÖPNV (Öffentlicher Personen Nahverkehr) organisiert, gibt es eine Ringlinie, wo werden Individualverkehre in die Stadt abgefangen? Darmstadt ist besonders gekennzeichnet durch den so genannten Cityring, also einen Ring um die Altstadt. Die zweite (unvollständige) Ringebene wird durch Casinostraße, Rhönring und Heinrichstraße aufgespannt, die dritte, Planungsruine seit langem, soll außerhalb der Stadt geführt werden, angedacht ist eine Trasse entlang der Odenwaldbahn über Ostbahnhof und Nordbahnhof. Ebenfalls nur in einem kurzen, behelfsmäßigen Teilstück sichtbar ist ein äußerer Ring nördlich von Eberstadt, dessen Fehlen mit dem ungelösten Ende der A661 zusammenhängt.
Für diese Ringe, insbesondere für die sehr Innstadt nahen, gibt es, das sei hier einmal provokant gesagt, aus städtebaulicher und räumlicher Sicht nur wenig Hoffnung. Sie sind in den meisten Städten in den Zeiten der Kahlschlagsanierung der Sechziger und Siebziger Jahre von Idealisten des ungehinderten Autofahrens in die Städte eingefräst worden und sind auch Jahrzehnte später nicht verheilt oder integriert. Es gibt für sie eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Sie entweder still zu legen und die Verkehre außerhalb abzufangen, oder sie in einer letzten Kraftanstrengung an entscheidenden Stellen so wie ursprünglich geplant in Tunnels zu verlegen. Besonders im Fall Darmstadts sind diese Maßnahmen dringend notwendig, um einer zunehmenden Isolierung der Mitte von den sie umgebenden Wohngebieten und einer Abwärtsentwicklung der Einkaufszone entgegen zu wirken. Es wird Gegenstand dieses Semesters sein, diese Chancen im wahrsten Sinn von allen Richtungen zu untersuchen.
C Fussgängerzonen
Als Pendant zur Optimierung des MIV (Motorisierten Individualverkehrs) in den Sechziger bis Achtziger Jahren entstanden, am deutlichsten sichtbar, allerorten innerstädtische Fußgängerzonen. Die Stadtmitten wurden vollkommen von Autos befreit, riesige (unterirdische) Verkehrsbauwerke waren dafür notwendig. Heute sieht man die damit verbundene Monofunktionalität der Innenstädte als Einkaufszonen wieder kritisch: Die unbelebten Stadtmitten können nicht mehr mit den viel effizienter gemanagten (und teilweise städtischer gestalteten) Einkaufszonen auf der grünen Wiese konkurrieren. So wird in Offenbach die überirdische B-Ebene (Fußgängerebene) wieder abgerissen, Frankfurt baut die unterirdische B-Ebene am Hauptbahnhof zurück, Darmstadt bemüht sich um neuen Wohnraum in der Innenstadt. Es wird mit Gegenstand dieses Semesters sein, sowohl in den innenstadtnahen Bereichen wie auch in den Wohngebieten über das zukünftige Verhältnis des Autos zum Stadtraum intensiv nachzudenken.
Stadtgebiete, Wohngebiete
Bei der Bearbeitung der Stadtgebiete entlang der Ausfallstraßen wird es vor allem um das Thema Wohnen gehen. Wohnen ist der entscheidende Bestandteil aller städtischen Gebiete. Wohnen prägt städtische Räume, entwohnte Gebiete verkommen in der Regel und werden zu Zonen, wie wir sie auf der grünen Wiese vorfinden und die keine “Rund-um-die-Uhr-Qualität” (24-h-usage) aufweisen. Es wird also auch im Zusammenhang mit dem Bezug zu den “Magistralen” vor allem darauf ankommen, für das zeitgenössische Wohnen Bauformen und Formen städtischer Räume zu entwickeln. Ziel des Semesters ist es, für dieses aktuelle Wohnen und die damit verbundenen Infrastrukturen sowie für die zunehmenden neuen und komplexen Formen der Erwerbstätigkeit die Ansätze der Entwerfer von morgen und einen “jungen Blick” zu erhalten.
Seit einiger Zeit haben die Städte dem Wegzug von Familien in das Umland den Kampf angesagt. In diese Initiativen zur Schaffung neuer Nachbarschaften, zur Herstellung vielfältiger Außenräume und zur Entwicklung von Haus- und Wohntypen, die eine dauerhafte und nachhaltige Heimat bieten und eine zumindest theoretische Nähe zu Arbeits- und Marktplätzen schaffen, werden sich die Arbeiten des Sommersemesters einbinden lassen.
Klar erkennbare zeitgenössische Tendenzen wie die Abkehr vom Massenwohnungsbau, das faktische Ende des sozialen Wohnungsbaus, die Individualisierung und das Älterwerden der Gesellschaft, die Konversion weiter Industrieanlagen sowie Militärkomplexe sowie eine Hinwendung zu landschaftlich und stadträumlich attraktiven Wohnlagen und auf den Außenraum bezogene Wohnqualitäten werden für die Entwürfe den Rahmen geben.
Ein schönes Ergebnis wäre, wenn wir aus den Arbeiten eine Ausstellung in der Stadt und ein kleines Heftchen ( Publikation der Arbeitsergebnisse) gewinnen könnten, die als Anregung an Stadtplanung und Bürger die Sicht einer neuen Generation von StädtebauerInnen und ArchitektInnen auf Stadt und Wohnen im 21. Jahrhundert und am Beispiel Darmstadts zeigen.
Wünschen würden wir uns auch, wenn das Stadtmodell im Masstab 1:2000 und seinen studentischen Teilplanungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde.
i.A. für FG-Stadt: M.Wilhelm, J.Wodzak, M.Harnack und das FG-Stadt Team

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